Entspannung in der Spannung
Dieses Jahr ist voller Spannungen aller Art. Wir spüren die Polaritäten von 1 und 0 und werden vor allem im Oktober noch einmal danach gefragt, mit diesen Polaritäten und Gegensätzen zu spielen. 1 und 0 sind extreme Richtungen wie schwarz und weiß, gut und böse, usw.. Und sie stellen uns immer wieder vor eine Wahl, die wir aus unserem freien Willen heraus treffen dürfen. So erleben wir dies in uns bis hin ins ganze Kollektiv und können dieses „Zerren“ spüren. Um diesem Gezerre zu entgehen, suchen wir also nach den unterschiedlichsten Möglichkeiten, um damit umzugehen. Dieser Umgang bedeutet auch hier die vielfältigsten Wege, die Menschen bestreiten. Diese Wege reichen von „ich stelle mich der Spannung“, über „ich suche Entspannung“ bis hin zu „ich ziehe mich von allem zurück“. Was davon macht nun aber überhaupt Sinn und wie können wir unseren Umgang damit finden?
Im Kundalini Yoga begeben wir uns ganz bewusst und gezielt in das Spiel von Spannung und Entspannung! Wir nutzen diese Gegensätze als Tool, um einen Umgang damit zu lernen, der uns auch im täglichen Leben unterstützt! Denn wie wir alle wissen, findet Yoga nur zum kleinsten Teil auf der Matte statt. Die Proben kommen im Leben und hier dürfen wir üben, lernen und unser Menschsein weiter ent-wickeln! Hierfür begeben wir uns auf Reisen durch all die Möglichkeiten, um mit Spannung umzugehen. Wenn wir uns stellen, bleiben wir ganz bewusst in der Haltung und vertrauen der eigenen Kraft. In der Entspannung lösen wir ganz gezielt Spannungen in unseren Körpern, um wieder eine Balance herzustellen. Und im Rückzug der Sinne, der Meditation, begeben wir uns in die Erinnerung an unsere ureigene Stille und den inneren Frieden, der immer da ist!
So gibt es nicht den einen Weg, um mit Spannung umzugehen. Denn so vielfältig, wie uns Spannungen im Leben begegnen, dürfen auch die Lösungswege hierfür sein! Denn nicht immer können wir Spannungen im Leben mit der nötigen Kraft begegnen und nicht immer gelingt es, in einer Spannung entspannt zu bleiben. Und vor etwas wegzurennen, ist im Leben wohl eine Option, die uns aber in uns nicht zufriedenstellen wird. So ist es, egal welchen Weg wir in den einzelnen Situationen wählen, grundsätzlich wichtig, dass wir es schaffen eine Balance darin herzustellen. Wenn wir uns der Spannung stellen, geht es also nicht darum, mit noch mehr Spannung entgegenzutreten, sondern eine Kraft zu entwickeln, die die Spannung auflösen kann. Wenn wir uns in der Spannung entspannen, ist es also notwendig, dass wir es schaffen, in der Entspannung keine neue Spannung aufzubauen, um entspannt zu sein.
Entspannung in der Spannung bedeutet, dass wir zu uns zurückkehren. Dass wir wieder in „unsere Mitte“ zurückkommen, in der Balance herrscht und Spannung und Entspannung ihren Platz finden dürfen, um uns in unserer Transformation zu unterstützen. Diese Transformation bedeutet, dass wir uns lossagen von den Fängen der Persönlichkeit, des Menschlichen, und für uns erkennen, dass es eigentlich gar keinen Grund für Entspannung und auch Spannung gibt, da WIR nichts von beidem sind. Somit auch nie in die Spannung gegangen sind und dann auch nicht wieder durch eine Entspannung aus ihr heraus kommen müssen. Du erinnerst Dich an den letzten Beitrag? Wir müssen uns nicht selbst lieben oder nicht selbst lieben, uns schuldig oder unschuldig fühlen – weil wir alles davon NICHT sind! WIR sind weder Spannung noch Anspannung. Wir können es wahrnehmen, aber es ist nicht die Wahrheit!
Im Yoga gehen wir zum Abschluss einer Klasse immer in Savasana, die sogenannte Totenhaltung oder nicht so beängstigend ausgedrückt, die lange tiefe Entspannung. Ja, Totenhaltung! Es geht somit in der „Entspannung“ der Yogaklasse nicht wirklich darum, dass wir uns ablegen und „chillen“ können. Nein, in dem Moment findet erst wahre Transformation statt! Wir ergeben uns dem Tod – der Persönlichkeit und der „Themen“ durch Transformation im physischen Körper und somit all den anderen Körpern auch! Es ist der Moment, in dem pure Reinigung und Veränderung, Integration, stattfinden dürfen! Es ist ein Moment der Rückkehr zum wahren Sein, das im Tod lebendig war, ist und immerzu bleiben wird! Ins WIR!
Wohin führt uns dies alles nun im „realen“ Leben? Es ist ein Weg des Lernens! Wie alles! Es ist ein Weg, dass wir uns erlauben, von Spannung und Entspannung Abstand zu nehmen, um den Kern darin zu erkennen. In jeder Spannung, jeder Entspannung und all dem dazwischen, stecken immerzu Kerne, die Auslöser hierfür sind. Begeben wir uns in diese Weitsicht, wird sich beides balancieren, da sich dieser Kern endlich zur Pflanze entwickeln und blühen darf! Hieraus entsteht ein „Cut“ durch das Spiel von 1 und 0, von Spannung und Entspannung! Was bleibt? Gefühlte Entspannung – in Wahrheit der Frieden, der wir sind! Es mag einfach ausgedrückt sein, aber in dem Moment herrscht radikale Akzeptanz über das was ist! Es bleibt im Sein und wir sind eins mit ihm! Egal, was es sein mag! Es „stört“ unser System nicht mehr, da wir uns in den Frequenzen angeglichen und ausgeglichen haben.
Das mag subtil klingen, ja. Ist es auch! Doch hierfür besitzen wir unser erweitertes Bewusstsein, mit dem wir immer wieder aus dem Spiel austreten dürfen. Denn wie betreten wir dieses Spiel? Kommen wir angespannt oder entspannt auf die Welt? Ist es ein Wechselspiel? Ist irgendetwas davon wirklich das, was wir sind? Oder lernen wir es erst? Müssen wir uns nicht erst „entspannen“, weil wir Spannung aufgebaut haben? Oder müssen wir uns nicht erst mal „anspannen“, weil so viel Entspannung herrscht? Alles wird gebraucht! Alles ist Teil des Lebens! Teil des Spiels, welches wir spielen (lernen dürfen)!
Ich schreibe hier nicht „entspann Dich“ oder „geh in die Spannung“! Ich lade Dich ein, beides nur noch als Zustände zu betrachten, die vom Kollektiv bis ins Individuelle reichen. Es ist eine Einladung zurück zu Dir, wo beides betrachtbar, spürbar, aber nicht identifizierbar ist! Du bist weder die Spannung noch die Anspannung! Die Persönlichkeit wird immer zwischen den unterschiedlichsten Zuständen wanken und wechseln wollen – doch DU bist stabil, weil DU nichts davon bist! Du bist das, was damit spielen kann, um zu erfahren und zu entdecken! Es führt immer wieder zum gleichen Punkt – zu Dir!
Jai Sahaja! - By your gracec