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Einfach mal sitzen

In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit sind wir auf vielen Ebenen herausgefordert, nicht selbst schnelllebig, gehetzt oder gar gestresst zu werden. Das mag in uns, unseren täglichen Aufgaben, Routinen, auf der Arbeit, in privaten Treffen oder auf unserem spirituellen Weg wahrnehmbar sein. Es ist eine Herausforderung, der sich gewisse Anteile in uns zu gerne hingeben. Sie meinen, dass sie mit dem „Strom“ fließen müssen, was bedeutet, dass das Kollektive auch unser Individuelles ist. Konkret, ist die Masse gehetzt, bin „ich“ auch gehetzt. Vielleicht kennst Du solche Situationen aus Deinem Leben? Angenommen alle Menschen im Supermarkt sind gehetzt, bist „Du“ es dann auch?

Eine Qualität des Wassermannzeitalters ist, dass Zeit und Raum ihre „Ordnung“, ihren Bezug, ja ihre Wichtigkeit und vermeintliche Wirklichkeit verlieren. Wir nehmen sie mehr und mehr als Illusion wahr. Der Raum wird als eins erkennbar.. Das kann im ersten Moment vewirren. Nichts steht für sich, alles ist verbunden! Es gibt keine Trennung im Raum, Distanzen sind und waren rein weltliche Annahmen. Wir erkennen andere Dimensionen, auf denen wir und alles „räumlich“ verbunden sind. Wir sind eins! Humee Hum Brahm Hum! Wir erkennen, dass wir im Kern ein und das Selbe sind und es somit nur noch einen gemeinsamen Raum gibt. Alles in der Schöpfung ist verbunden, alles ist eins!

So erkennen wir in dieser Einheit, dass auch das Konzept der Zeit nicht linear sondern zyklisch ist. Wir erkennen die Drehungen, weil sie gefühlt immer schneller werden und uns aus einer geordneten Linearität herausschleudern. (Zeit)Stress ist DIE Krankheit unserer Zeit. Fühlten sich 2021 noch ungefähr ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland gestresst, waren es 2025 schon ca. zwei Drittel. Was damit einhergeht sind Burnout, Depressionen, weitere psychische und daraufhin physische, seelische, soziale „Erkrankungen“. So viele Menschen lassen sich durch ihr Leben und durch Zeit und Raum schleudern. Sie sind der Zeit und all dem, was damit einhergeht, ausgeliefert.

Die Zeit ist einer der größten Orientierungspunkte, natürlich, beschreibt sie doch schon alleine unsere Geburt und unseren Tod! So ist sie aber nicht nur „Taktgeber“, sondern auch ein Geber für Herausforderungen. Es geht los, beim ja/nein sagen, wenn es Entscheidungen zu treffen gilt, die unsere Zeit betreffen. Gehen wir dabei achtsam mit der Zeit um? Und wenn nein, warum nicht? Können wir nicht nein sagen und erzeugen damit selbst Stress? Und es geht weiter bis hin zu einer bewussten oder unbewussten Angst vor dem Tod. Der Wunsch, ja Drang, so viel wie möglich in diesem Leben erleben zu müssen. Was auch immer da sein mag. Die Uhr tickt, der Stress kommt. Und es geht weiter bis hinein in unsere spirituelle Reise.

Ein Geschenk der heutigen Zeit ist, dass dieser „Zeitdruck“ Dinge in uns bewegt und (noch einmal) ins Sichtbare bringt, so dass wir uns damit auseinandersetzen dürfen. Ja, genau, „-setzen“, einfach mal sitzen – „auseinander“ vom Sichtbaren! WIR sehen und spüren es, sitzen aber in uns, „in unserer Mitte“. Denn selbst auf unserer „Selbstfindungsreise“ erleben wir den Druck der Zeit, der sozialen Medien, der Bewertungen und des daraus resultierenden Stresses. Wir wollen etwas, was sich uns zeigt, gleich bearbeiten, transformieren, lösen, heilen, whatever! Es ist ein Drang vorhanden, sofort wieder aktiv zu werden. Angebote gibt es genug, Heilung an jeder Ecke. Aber können wir nicht einfach erstmal nur sitzen?

Im Kundalini Yoga halten wir mit voller Absicht gewisse Positionen, Meditationen, Fokuspunkte über sehr lange Zeit, um diesen Druck zu simulieren. Wir erzeugen im physischen Körper einen Schmerz, der andere Anteile in uns erweckt. Nun können wir aus der Haltung gehen (weltlich wegrennen), erstarren (weltlich wegschauen), kämpfen (weltlich kämpfen), allgemein einfach vermeiden oder wir erlauben uns in die Hingabe zu gehen. Wir bleiben in der Situation, in der Haltung! Wir bleiben einfach sitzen und bleiben! Wir geben dem was da ist ganz aufmerksam einen Raum, den ganzen Raum. Wir vermeiden nicht, sondern konfrontieren mit Liebe! Wir lernen in dem Moment, dem Druck Raum zu geben, so dass er sich auflösen kann. Nur dadurch, dass wir sitzen, dass wir erlauben, dass wir sind! Mit einem Lächeln auf den Lippen!

Und so können wir dies auf unser Leben in allen Bereichen übertragen, genau dort üben. Vom Supermarkt über die Partnerschaft bis in die eigenen menschlichen Prozesse. In sich sitzen, wahrnehmen, Raum geben, da sein lassen, NICHTS damit machen, in Liebe da sein, grinsen. Und so wird der Druck sich lösen, denn überlappt ist er mit Anspannung! Relax! Es war wie es war, ist wie es ist und wird wie es wird! Die Meditation darf sein, genau damit einfach nur mal zu sitzen. Keine Meditation, keine Übung, keine Reflexion, einfach nur sitzen! Alles darf da sein, alles darf sich zeigen und alles darf ehrlich gesehen und geliebt werden. Es ist ein Sein im Sein – in Dir!

Lemon and Soul - In the sea of love

Tobias Fritzsche

Ich helfe selbstverantwortlichen Menschen, das eigene Selbst wieder zu spüren und zu leben, indem ich sie darin begleite und sie daran erinnere, wer sie sind.